Bevor die Kamera das erste Bild macht, mache ich immer dasselbe: Ich atme einmal tief aus – genau so, wie meine Ballettlehrerin es mir vor zwanzig Jahren beigebracht hat, in der Sekunde bevor sich der Vorhang hebt. Zwölf Jahre Spitzentanz stecken noch in jeder Haltung, die ich einnehme, auch wenn ich die Schuhe längst gegen etwas Leichteres getauscht habe.
Ich erinnere mich an Shootings nicht über Orte oder Teams, sondern über Stoffe. Seide, die sich kalt anfühlt, bis sie warm wird. Spitze, die auf der Haut ein Muster hinterlässt, das noch eine Stunde bleibt. Genau das interessiert mich an dieser Arbeit: nicht das Posieren, sondern der Moment, in dem Stoff und Körper aufhören, zwei verschiedene Dinge zu sein.
Am liebsten stehe ich dabei an Orten, die eigentlich schon aufgegeben wurden – verlassene Hallen, rostige Fenster, Licht, das durch ein kaputtes Dach fällt. Zwischen Verfall wirkt Zartheit lauter. Das ist, glaube ich, mein eigentliches Talent: aus einem stillen, unfertigen Raum genau den einen Moment herauszuholen, den man nicht mehr vergisst.