Ich habe ein wasserfestes Notizbuch, das mittlerweile über dreihundert Seiten hat – jede davon eine Skizze, kein Foto, von einem Fisch, den ich zum ersten Mal gesehen habe. Ich zeichne lieber, als ich fotografiere. Eine Kamera macht in einer Zehntelsekunde ein Bild; ein Bleistift zwingt mich, für zehn Minuten wirklich hinzuschauen, bevor ich verstehe, was ich sehe.
Aufgewachsen bin ich in Marseille, mit dem Mittelmeer praktisch vor der Haustür, aber richtig gepackt hat es mich erst vor einigen Jahren, bei meinem ersten Tauchgang vor Bali. Seitdem fahre ich jedes Jahr zurück – nicht für den perfekten Urlaub, sondern weil dort eine Riffwand liegt, die ich noch nicht vollständig kartiert habe. Ich kenne inzwischen mehr lateinische Fischnamen als die Namen der Straßen in meiner eigenen Nachbarschaft.
Neugier ist für mich kein Charakterzug, sondern eine Methode: Ich will von jedem Ort, jeder Kultur, jedem Gespräch mindestens eine Sache lernen, die ich vorher nicht wusste. Vor der Kamera bringt mich das nicht zum Posieren – es bringt mich zum genauen Hinsehen, und genau das, glaube ich, sieht man am Ende auch im Bild.