Ich wurde nicht auf einem Casting entdeckt, sondern durch einen Fehler. Bei der Hochzeit einer Freundin in Porto stand ich zufällig im Hintergrund eines Fotos, das eigentlich die Braut zeigen sollte – ich lachte über einen Witz, den ich schon vergessen habe, leicht unscharf, mit fliegenden Haaren. Der Fotograf hat das Bild versehentlich unbeschnitten hochgeladen. Ein Scout hat es Monate später gesehen, sich in genau diesen einen unperfekten Moment verliebt und über drei Umwege den Fotografen kontaktiert, um an mich heranzukommen.
Das hat mir etwas beigebracht, das ich seitdem nie wieder vergessen habe: Die Bilder, die wirklich hängen bleiben, sind selten die, für die man posiert. Deshalb versuche ich vor der Kamera nie, den perfekten Moment zu inszenieren – ich versuche, den echten so lange stehen zu lassen, bis jemand ihn fotografiert.
Mode ist für mich eine Art, diese Echtheit zu unterstreichen, nicht zu verstecken. Ich liebe Designerstücke, aber am meisten diejenigen, die aussehen, als hätte man sie schon lange – nicht, weil sie abgetragen sind, sondern weil sie zu einem gehören wie eine zweite Haut. Und ja, ich trage High Heels auch dann noch gern, wenn niemand mehr zuschaut – aus genau demselben Grund, aus dem ich schon auf jenem Hochzeitsfoto gelacht habe: weil es sich richtig anfühlt, nicht weil es jemand sehen soll.