Mein erstes Tattoo habe ich mir an meinem achtzehnten Geburtstag stechen lassen: einen einzelnen kleinen Zweig am Schlüsselbein, von einer Freundin, die gerade erst mit dem Tätowieren angefangen hatte. Seitdem kommt jedes Jahr ein neues Blatt dazu, immer von ihr, immer an derselben Stelle weitergeführt – mittlerweile zieht sich die Ranke über den ganzen Hals bis ins Dekolleté. Es ist kein fertiges Motiv, das ich mir ausgesucht habe, sondern ein Tagebuch, das mit mir mitwächst.
Meine Haarfarbe plane ich nie im Voraus. Ich färbe mich meistens spätabends, wenn ich merke, dass sich etwas in mir verschoben hat – manchmal vor einem wichtigen Tag, manchmal einfach so. Deshalb sehe ich auf zwei Fotos, die nur wenige Wochen auseinanderliegen, oft aus wie zwei verschiedene Menschen: einmal Blaugrau, einmal Minzgrün. Das ist kein Styling-Trick, das ist tatsächlich, wie unberechenbar ich mit mir selbst umgehe.
Die Berliner U-Bahnhöfe kenne ich nachts besser als tagsüber – dort, zwischen Fliesen und Neonlicht, fühle ich mich echter als in jedem Studio. Genau diese unpolierte Direktheit versuche ich vor die Kamera zu bringen: keine Pose, die gefallen will, sondern eine Haltung, die sagt, dass ich genau hier hingehöre und mich für niemanden zurechtmache.