In meiner Jackentasche liegt seit zwölf Jahren derselbe schwarze Schachläufer aus Ebenholz – der letzte Zug einer Partie, die ich in einer Hafenkneipe in Valparaíso nie beendet habe, weil das Boot ablegte. Ich habe ihn nie ersetzt. Manche Geschichten schließt man nicht ab, man trägt sie weiter.
Man nennt mich lässig, manche nennen es Stil, ich nenne es schlicht: keine Zeit für Dinge, die sich erklären müssen. Ich besitze kein Haus – nur eine Liste von sieben Hotels rund um die Welt, in denen man mich noch beim Vornamen kennt und weiß, wie ich meinen Espresso trinke. Alles andere kann warten. Oder besser: kann gehen.
Ich sammle keine Uhren, keine Autos, keine Trophäen. Ich sammle offene Enden – unvollendete Partien, halb erzählte Geschichten, Bekanntschaften, die genau in dem Moment enden, in dem sie am interessantesten werden. Das mag nach Unruhe klingen. Für mich ist es die einzige Form von Reichtum, die sich nicht verbraucht.