Mit sieben hat mich meine Großmutter zum ersten Mal ins Kendo-Training mitgenommen, weil sie fand, ich würde zu viel herumzappeln. Was ich dort gelernt habe, hatte am Ende weniger mit dem Schwert zu tun als mit dem Moment davor: dem völligen Stillstehen, konzentriert und angespannt, bevor sich alles in einer einzigen kontrollierten Bewegung entlädt. Diese Sekunde der Ruhe vor dem Schritt ist bis heute mein Geheimnis auf dem Runway – niemand sieht sie, aber jeder spürt, dass etwas Kontrolliertes gerade passiert.
Als ich nach Düsseldorf gezogen bin, habe ich mich bewusst für die Straßen rund um die Immermannstraße entschieden, nicht weil es praktisch war, sondern weil dort morgens dieselben Reissnacks in den Regalen liegen wie in dem kleinen Laden neben meinem Elternhaus. Ich gehe nicht jede Woche dorthin, weil ich etwas brauche, sondern weil es sich anfühlt wie ein kurzer Umweg über Japan, mitten in Nordrhein-Westfalen.
Vor der Kamera versuche ich, diese beiden Ruhepole zusammenzubringen: die disziplinierte Stille aus dem Dojo und die Leichtigkeit, die ich erst gefunden habe, als ich weit weg von zuhause trotzdem ein Zuhause gefunden habe. Kein aufgesetztes Exotik-Klischee, sondern eine Präsenz, die genau weiß, woher sie kommt und wohin sie geht.