Bevor ich einen Stoff berühre, höre ich ihm zu. Echte Seide macht ein ganz bestimmtes Rascheln, tiefer als jede Imitation – das hat mir meine Großmutter beigebracht, die in einer Werkstatt auf Murano dreißig Jahre lang Glasfarben gemischt hat und behauptete, gutes Material verrate sich immer zuerst über die Ohren, erst danach über die Augen.
Ich bin in Venedig aufgewachsen, in einer Stadt, die sich täglich neu im Wasser spiegelt, und ich glaube, das hat mir beigebracht, wie man in einem Bild zwei Dinge gleichzeitig sein kann: still und in Bewegung. Heute lebe ich in München, wo die Kanäle fehlen, aber wo ich gelernt habe, dass Eleganz nicht an einen Ort gebunden ist – man trägt sie einfach mit.
Von meiner Großmutter kenne ich jede Nuance von Grün, die es zwischen Muranoglas und Lagunenwasser gibt. Wenn ich vor der Kamera stehe, suche ich in Gedanken immer nach dieser einen Farbe – dem Moment, in dem das Licht genau richtig auf einen Stoff fällt, damit er zu leuchten beginnt wie geschmolzenes Glas. Das ist für mich kein Posieren. Das ist Erinnerung, die sichtbar wird.