In meiner Wohnung steht ein Glas, das mittlerweile Sand von neunzehn verschiedenen Stränden enthält. Ich habe irgendwann aufgehört, sie zu trennen – es ist kein Souvenirregal, sondern eine Art Landkarte, die niemand außer mir lesen kann, weil ich genau weiß, wie sich jede einzelne Reise darin vermischt hat.
Ich kann mittlerweile an der Art, wie sich eine Welle bricht, erkennen, ob der Strand aus feinem oder grobem Sand besteht, noch bevor ich die Augen öffne. Das klingt nach einer nutzlosen Fähigkeit, aber für mich ist es genau das Gegenteil: Es bedeutet, dass ich an einem Ort wirklich angekommen bin, nicht nur durchgereist.
Reisen ist für mich kein Fluchtinstinkt, sondern eine Art, mich selbst immer wieder neu zu sortieren. Jeder neue Strand, jedes neue Licht am Meer bringt eine andere Version von mir zum Vorschein – manchmal übermütig, manchmal ganz still. Genau diese Vielfalt versuche ich einzufangen, wenn ich vor der Kamera stehe: nicht ein Bild von mir, sondern viele, die alle trotzdem echt sind.