Mein erstes Cosplay ist eigentlich aus einer Reparatur entstanden. Ich wollte eine alte Grafikkarte eines Freundes wieder zum Laufen bringen, aber der Kühlkörper war hinüber – also landeten die ausgebauten Kühlrippen in meiner Bastelkiste, weil ich nie etwas wegwerfe, das noch interessant aussieht. Wochen später, mitten in der Planung für ein genderbent Kostüm, fiel mir die Kiste wieder in die Hände, und plötzlich hatte ich die perfekte Schulterpanzerung: technisch, kantig, mit echtem Metallglanz. Seitdem ist meine Regel simpel – bevor etwas im Elektroschrott landet, wird erst geprüft, ob es nicht viel besser an einem Kostüm aussieht.
Löten und Nähen fühlen sich für mich erstaunlich ähnlich an: beides verlangt ruhige Hände, einen Plan und die Bereitschaft, dreimal von vorne anzufangen, wenn die erste Lösung nicht hält. Meinen Rechner baue ich genauso eigenhändig zusammen wie meine Kostüme – Kabelmanagement und Nahtzugabe sind für mich im Grunde dasselbe Problem, nur mit anderem Material. Wenn Leute überrascht sind, dass ein Hardware-Nerd auch genderbent Charaktere näht, verstehe ich das nicht – für mich ist beides einfach: Dinge auseinandernehmen, verstehen, neu zusammensetzen.
Vor der Kamera bringe ich diese Mischung offen mit, ohne eine der beiden Seiten zu verstecken. Kein aufgesetztes Nerd-Klischee und keine glattgebügelte Cosplay-Pose, sondern jemand, der genau weiß, wie Dinge von innen funktionieren – und genau deshalb keine Angst hat, sie neu zu erfinden.