Ich besitze einen Holzkamm, der älter ist als ich selbst – ein Erbstück meines kubanischen Großvaters, das schon durch drei Generationen Männerhände gegangen ist. Das Holz ist an manchen Stellen fast durchsichtig geschliffen. Ich benutze keinen anderen Kamm, auch nicht bei Shootings, selbst wenn ein Styling-Team mit zehn professionellen Bürsten daneben steht.
Meine Haare trage ich lang, seit ich achtzehn bin – nicht aus Trotz, sondern weil mein mexikanischer Vater mir irgendwann erklärt hat, dass in seiner Familie langes Haar bei Männern früher als Zeichen von Geduld galt, nicht von Eitelkeit. Man musste es sich verdienen, es überhaupt so lange wachsen zu lassen, ohne es aus Ungeduld wieder abzuschneiden. Diese Geduld ist inzwischen so etwas wie mein Markenzeichen geworden.
Zwischen Mexiko-Stadt und Havanna aufgewachsen, jetzt in Düsseldorf zuhause, habe ich gelernt, dass man nicht laut sein muss, um aufzufallen. Manchmal reicht es, einfach ruhig durch einen Raum zu gehen und den alten Holzkamm in der Tasche zu haben, während alle anderen glauben, es ginge nur um die Frisur.